Wahn use olde Heimat

Die neue St. Antoniuskirche

von Pfarrer B. Reckers

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Die neue St. Antoniuskirche St. Antonius „Dom des Hümmlings“ (Konsekration im November 1926)

Die Zahl der Bewohner vermehrte sich. Das bisherige Kirchlein wurde bald zu klein, und man nahm eine Vergrößerung vor durch Anbau eines Chores; dies geschah 1885. Es half nur vorübergehend, so dass der Pfarrer und Dechant Barenkamp – seit 1895 in Wahn – dem Plane einer neuen, großen Kirche näher trat. Die allezeit opferwillige Gemeinde gab bereitwillig ihre Zustimmung, und man begrüßte es freudig, dass im Juli 1914 die Pläne für eine neue Kirche fertig vorlagen. Der Architekt war der Spezialist im Barockbau: Hubert Warten berg aus Münster i. W. Die Kosten beliefen sich einschließlich Gestühl auf 85 000 Mark. Diese hohe Summe war fast ganz zur Verfügung: entstanden durch langjährige Vierteljahrskollekten in der Gemeinde. Leider machte dann der Ausbruch des Krieges – August 1914 – den Bau einstweilen unausführbar: er musste aufgeschoben werden.

Am 21. März 1919 starb Dechant Barenkamp, der fast 25 Jahre mit unermüdlichem Eifer hier gewirkt hat und heute noch nicht vergessen ist. Er gründete mehrere kirchliche Vereine, sorgte für Anschaffung kirchlicher Gegenstände und zugleich für Hebung der kirchlichen Feiern; auch auf sozialem Gebiete war er tätig: er half bei der Gründung der Sparkasse und der Molkerei und seinem rastlosen Bemühen ist es zuzuschreiben, dass sich die Gemeinde nach dem furchtbaren Brandunglück vom 15. Mai 1900, dem 75 Wohnhäuser zum Opfer fielen, so rasch wieder emporhob.

Sein Nachfolger wurde Pfarrer Reckers, vordem erster Missionspfarrer von Waren in Mecklenburg. Seine Einführung fand am 23. Juni 1919 statt. Da die Kirche zu klein war und an Neubau nicht zu denken war, wurde im Frühjahr 1920 die Orgelbühne, die bisher mit der Orgelfront abschloss, um 3 1/2 m verlängert, so dass noch 80 Sitzplätze hinzukamen. Die zu diesem Zwecke im März 1920 vorgenommene Hauskollekte ergab an Einnahme 10 148 Mark, die Ausgaben beliefen sich auf 10009,30 Mark. Der Bauunternehmer Bernhard Gehrs von hier hatte die Arbeiten zu allseitiger Zufriedenheit ausgeführt.

Die für Gottes Ehre allezeit so opferfreudige Gemeinde gab im Jahre 1922 die Mittel zur Beschaffung von großen Glocken, seit vielen Jahren war eine von den bei den kleinen Bronzeglocken gesprungen. Da man den Plan vom Kirchbau immer noch nicht aufgab, wurden die billigeren Stahlglocken angeschafft. Der Firma Ulrich & Weule in Bockenem am Harz wurde die Lieferung von drei Glocken übertragen. Die größte wiegt 850 kg, hat einen Durchmesser von 1,28 m und ist auf den Ton G gestimmt. Die zweite wiegt 600 kg, hat 1,14 m Durchmesser und hält den Ton A. Die dritte wiegt 450 kg, hat 1,03 m Durchmesser und den Ton H. Die dritte Glocke wurde von dem Gemeindemitgliede Kaufmann Johann Wilhelm Rolfes geschenkt. Das Gewicht der drei Glocken beträgt 1900 kg, der Preis war 24 Mark per kg, also 45600 Mark.

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Die Seitenaltäre befinden sich jetzt in der Pfarrkirche zu Rastdorf. Der Marienaltar ist ein Werk des Bildhauers Nolde und der Altar der Heiligen Familie ein Werk des Bildhauers Holtmann, beide aus Osnabrück. Eine Stiftung der Eheleute Schwake.

Das herrliche, harmonische Geläute weckte wieder allgemeine Stimmung für den Bau einer Kirche mit Turm. Dem allgemeinen Drängen nach einer öffentlichen Gemeindeversammlung zur Aussprache über den Kirchbau wurde im Mai 1923 stattgegeben. An zwei aufeinanderfolgenden Sonntagen wurde das Projekt eingehend besprochen und brachte das Ergebnis: Wir können – wegen der Inflation – nur dann eine Kirche bauen, wenn wir von unserem Vieh hergeben, das wertbeständig bleibt. Die Tiere gehen sofort in den Besitz der Kirche über, können aber solange auf den Weiden der bisherigen Besitzer laufen, bis sie für den Bau benötigt werden. Der Pastor wird mit zwei Kirchenvorstehern beauftragt, bei den einzelnen Familien anzufragen, was sie in diesem Jahre schenken wollen. Die Verpflichtung erfolgt durch eigenhändige‘ Unterschrift. Gleich am folgenden Tage wurde – freilich etwas zaghaft – der Rundgang begonnen, und zwar bei dem Beerbten Joh. Bernh. Eilers, der stellvertretender Vorsitzender im Kirchenvorstande war. Das Ergebnis war über die Maßen erfreulich: drei Kühe und ein Rind. Als die Kommission dieses große Ergebnis auf der Straße bekannt gab, ging es wie ein Lauffeuer durch das Dorf, überall bildeten sich Gruppen und besprachen freudig das Ereignis: und die Kommission hatte von da an leichte Arbeit. In drei Tagen wurden nicht weniger als 53 Kühe, 40 Rinder, 22 Kälber, 103 Ferkel, 1 Fohlen, 15 Zentner Roggen, 11/2 Waggon Zement, 4 Stand Bienen, 20 Morgen land und 25 holländische Gulden gezeichnet. Das Resultat ist bei einer Seelenzahl von ca. 800 so überwältigend, dass es verdient, der Nachwelt erhalten zu bleiben. Es sei auch dankbar anerkannt, dass die Firma Krupp 300 Goldmark und der Herzog von Arenberg 25 fm Bauholz schenkten.

Da die Pläne und Zeichnungen des Architekten Wartenberg (Münster) fertig vorlagen, wurde der Bau unverzüglich ihm übertragen. Da die alte Kirche unter Denkmalschutz stand, die neue aber nur auf diesem Platze errichtet werden konnte, wünschte der Provinzial-Baukonservator Prof. Sieber aus Hannover, dass wenigstens die formschöne Giebelfront der alten Kirche erhalten bliebe. Schnell ging man ans Werk. Damit keine Verzögerung in der Anlieferung des Materials eintrat, verpflichteten sich die pferdehaltenden Gemeindemitglieder zur unentgeltlichen Herbeischaffung von Kies, von Feldsteinen für die Fundamente – allein für das Turmfundament wurden 200 cbm Erde ausgeschachtet – und von Ziegelsteinen, die vom Emshafen in Lathen abgeholt wurden.

Der Bau schritt rasch voran, da zeitweise gegen 40 Mann beschäftigt wurden. Am 28. Oktober 1923 fand die feierliche Grundsteinlegung statt. In diesem Stein wurde eine in lateinischer Sprache abgefasste Urkunde hinterlegt, die übersetzt folgenden Wortlaut hat:

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Der Chorraum der neuen Kirche.

Im Jahre des Herrn 1900 am 15. Mai blieb, während unser Dorf Wahn zum größten Teil durch Feuersbrunst zerstört wurde, unser dem hl. Antonius geweihtes Kirchlein fast auf wunderbare Weise erhalten. Während jedoch neue Häuser und größere und ansehnlichere Gebäude sich aus der Asche erhoben, konnte das kleine Gotteshaus den Vorrang unter den übrigen Gebäuden kaum behaupten. Daher fassten die Bewohner von Wahn unter Leitung ihres Pfarrers und Dechanten Johannes Barenkamp den Plan, Gott und dem hl. Antonius eine größere und geziemendere Wohnung zu bauen; sie begannen Baumaterialien zu diesem Zweck zu beschaffen, und schon hatten sie Baupläne und Zeichnungen anfertigen lassen, als jener lange und schreckliche Weltkrieg jede Hoffnung und Möglichkeit auf Kirchbau raubte, zumal auch unser Dorf durch die Enteignung, welche von der Firma Krupp (Essen) drohte, dem Untergange geweiht zu sein schien. Als nun der Krieg beendet und damit jene Gefahr des Unterganges für das Dorf Wahn beseitigt war, regte der neue Pfarrer Bernhard Reckers an, den früheren Plan, eine neue Kirche zu bauen, wieder aufzunehmen. Inzwischen hatten nun die gesammelten Barmittel infolge der Geldentwertung ihren Wert fast verloren; aber nunmehr fand man einen neuen Weg, die erforderlichen Baumaterialien zu beschaffen. Unsere für das große Werk so begeisterten Leute stellten ihr Vieh zur Verfügung, deren hoher Kaufpreis die Durchführung des Planes zu ermöglichen schien. Es wurde nun für den Neubau der Entwurf des Architekten Hubert Wartenberg aus Münster i. W. ausgewählt, und unsere Leute gingen nun beherzt an die Ausführung des Werkes heran unter Leitung ihres Pfarrers Reckers, unter Beihilfe der Kirchenvorsteher Hermann Bergmann, Hermann Korte, Bernhard Eilers, Hermann Thomes, Hermann Horstmann, Johann Hempen und des Baukomitees, welches bestand aus Georg Dobelmann, Johann Gehrs, Nikolaus Theiken, Karl Meyer, Johann Wilhelm Rolfes, Josef Thöben, Bernhard Konnemann, Bernhard Küwen, Josef Hensen und Heinrich Rolfes, der zu dieser Zeit der Gemeindevorsteher war. Inzwischen war dem Bauunternehmer Johann Kuper aus Wippingen die Ausführung des Baues übertragen, und so sind wir heute, am 28. Oktober 1923, da Papst Pius XI. den päpstlichen Stuhl und Bischof Wilhelm den bischöflichen Stuhl in Osnabrück innehat, nachdem die Republik Deutschland fünf Jahre besteht zusammengekommen um den Grundstein zu legen unter Anrufung der allerheiligsten Dreifaltigkeit und unseres Kirchenpatrons Antonius, des Einsiedlers. Wahn, im Jahre des Heils 1923 am 28. Oktober. Reckers, Pfarrer.

Auch einiges Geld von geringem Werte und Tageszeitungen wurden beigefügt.

Als Frost eintrat und den Weiterbau verhinderte, waren die Wände ringsum – einschließlich Turm – bis zur Dachhöhe (12 m) fertiggestellt. Gleich im Frühjahr 1924 wurde der Bau fortgesetzt. Die Mittel wurden wieder durch freiwillige Gaben seitens der Gemeindemitglieder aufgebracht, diesmal durch Zuschlag zu den Staatssteuern. Die gezeichnete Summe wurde durch den Kirchenvorstand in monatlichen Raten abgeholt. Es währte nicht lange, und der imposante Dachstuhl war fertig. Die Dachdeckerarbeiten wurden dem hiesigen Bauunternehmer Bernh. Gehrs übertragen, die Klempnerarbeiten dem Klempnermeister Pott aus Börger für 1092 Mark, die Steinmetzarbeiten der Firma Klein in Münster. Den Auftrag für das Rabitzgewölbe und die Stuckarbeiten erhielt die Firma Eduard Schoen in Münster für 9000 Mark. So ging das Jahr 1924 zu Ende. 1925 brachte schwierige Zeitläufe, die Gemeindemitglieder waren nicht mehr imstande, wesentliche Opfer zu bringen, der Bau ruhte fast gänzlich. Eine wesentliche Änderung brachte das Jahr 1926. Die Gemeinde wollte durchaus den Bau vollenden und wieder größere Opfer bei monatlichen Haussammlungen aufbringen. Es kam ein günstiger Umstand hinzu: durch den billigen Erwerb des Wohnhauses von Lehrer Kramer war die Substanz der Vikarie-Stiftung bedeutend verbessert, so dass die Bischöfliche Behörde den Verkauf von Vikarieland genehmigte. Es wurde ein Betrag von 10975 Mark erzielt, welcher durch Anleihe für den Bau verwandt wurde. Es fehlte noch das Langschiff, das die Verbindung mit dem Restteil von der alten Kirche herstellen sollte. Der Gottesdienst fand bislang nur in der alten Kirche statt. Um eine eigene Notkirche zu sparen, wurde die neue Kirche über der alten gebaut.

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Marien- und Josefstatue aus der Nische der alten Wahner Kirche.

Die Vollendung des Kirchbaues wurde dem Gemeindemitglied Dobelmann für 23 480 Mark übertragen. Das Inventar der alten Kirche wurde von dem Kunstmaler Leo Fernholz aus Münster mit großem Kunstverständnis renoviert und der neuen Umgebung angepasst. Ende Juni war der Augenblick gekommen, wo die alte Kirche abgebrochen werden musste und zugleich der Hauptteil der neuen Kirche bezugsfertig war. Die langersehnte Benediktion dieser Teilkirche geschah am Sonntag, dem 11. Juli 1926, durch Domkapitular Schmitt. Und bald folgte die feierliche Konsekration. Unser hochwürdigster Bischof Dr. Wilhelm Berning hatte dem Kirchenbau stets reges Interesse zugewandt und durch Wort und Tat wirksam gefördert und erklärte sich bereit, trotzdem er hier noch am 23. April desselben Jahres die Firmung gespendet hatte, am Dienstag, dem 9. November 1926, die feierliche Konsekration der Kirche vorzunehmen. Die Gemeinde hatte ihr schönstes Festkleid angelegt, die Straßen prangten im höchsten Schmuck, als am Vorabend der Einweihung der hochwürdigste Herr Bischof in feierlichem Zuge, geleitet von einer stattlichen Reihe von Reitern, Radfahrern und Wagen, von Sögel aus seinen Einzug hielt.

Man kann die große Freude der Gemeinde verstehen, wenn man bedenkt, welche großen Opfer der Kirchbau gekostet hat. Dieser sooft bewährte Opfersinn wurde in diesen Tagen der Einweihung immer wieder auch von dem hochwürdigsten Herrn anerkannt. Am Vorabend der Konsekration ehrten wir den hochwürdigsten Herrn Bischof durch einen gewaltigen Fackelzug. Als Vertreter der Gemeinde bewillkommnete das Mitglied der Baukommission Theiken den hochwürdigsten Herrn. Der Bischof dankte für die Ovation und deutete die Lichter der Fackeln als die Lichter des Glaubens, der Opfer und der Liebe. Ein imposantes Feuerwerk bildete den Abschluss der schönen Abendfeier. Am folgenden Morgen vollzog der hochwürdigste Herr die feierliche Konsekration der Kirche und des Altares. Der Bischof wurde in feierlichem Zuge vom Pfarrhause zum feierlichen Amte abgeholt, das Pfarrer Reckers unter Pontifikalassistenz zelebrierte. Der hochwürdigste Herr feierte in der Festpredigt das neue Gotteshaus als das Haus der Sehnsucht und des Segens. An dem sich anschließenden Festessen beim Wirt Oldiges nahmen ca. 70 Personen teil. Im Namen der Gemeinde hielt das langjährige Mitglied des Kirchenvorstandes Hofbesitzer Thomes eine herzliche Begrüßungsansprache, auf die der hochwürdigste Herr erwiderte. Freudig erkannte er das große Werk der Gemeinde an und gab der Hoffnung Ausdruck, dass die Gemeinde Wahn, wie jetzt ein schönes Gotteshaus, so i!} Zukunft auch viele Diener des Gotteshauses, Priester, hervorbringen werde. Dechant Jansen aus Werlte überbrachte die Grüße und Glückwünsche des Dekanates und gab die Ernennung Pfarrer Reckers zum Kamerar des Dekanates Hümmling bekannt. Pfarrer Reckers sprach im Schlusswort allen, die in irgendeiner Weise zum Gelingen des Kirchbaues und des Festtages beigetragen haben, seinen und der Gemeinde Dank aus. Damit schloss die imposant verlaufene Feier der Kirchweihe. Auf welchen Tag passt wohl besser das schöne Wort: „Das ist der Tag, den der Herr gemacht hat, lasset uns lobsingen und ihn preisen, Alleluja!“.
(Festbericht der „Osnabrücker Volkszeitung“, Nr. 313 vom 14. November 1926.)

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Barocker Altar, 1746, Conrad Schlaun, Münster, stand zuerst in der alten Antoniuskapelle und wurde bildlich verändert in der neuen Antoniuskirche wieder aufgestellt. Seit 1957 steht dieser Altar in der St. Walburgiskirche zu Emden. Foto: Schuhmacher, Emden

Nun steht der herrliche Barockbau da, wohl die schönste Kirche des Hümmlings. Sie ist 37 m lang, in der größten Breite 17 m. Ist schon das Äußere schön und gefällig, dann erst recht das Innere. Man ist überrascht, wenn man durch das Portal in das Innere der Kirche eintritt, über die Größe des Raumes. Die Kirche fasst 650 Sitzplätze; der Altar, auf den von allen Seiten der Blick hingelenkt wird, stammt aus der alten Kirche, desgleichen Kanzel und Kommunionbank. Das Westportal ist der Rest der alten Kirche; er musste mit seinem Türmlein seines kunsthistorischen Wertes wegen erhalten bleiben.

Das Gotteshaus ist fertig. Aber bald wurden Stimmen laut: Der Kirche fehlt doch der schönste Schmuck, der Turm. Man machte den Versuch, wie hoch wohl die freiwilligen Zeichnungen für den Turmbau kommen würden. Der Versuch gelang, und der Turmbau wurde ausgeschrieben mit dem Ergebnis: den beiden Gemeindemitgliedern B. Gehrs und B. Möhlenkamp wurde am 23. Februar 1931 auf 21.880,91 Mark der Zuschlag erteilt. Dem Klempnermeister Pott in Börger wurde die Kupferbedachung übertragen. Von Tag zu Tag sah man den stolzen Turm emporwachsen. Nach dem Angelus am Abende des 9. Juli erklang von der Spitze des Gerüstes laut der übliche Spruch des ersten Zimmergesellen Zinat zu den zahlreich versammelten Gemeindemitgliedern, die alle Zeugen dieses hohen Ereignisses sein wollten. Nach den üblichen „Hochs“ wurde bei einem Glase Bier der Abschluss des Richtfestes gefeiert. Die großen Glocken waren bislang in einem neben der Sakristei errichteten hölzernen Glockenstuhl untergebracht. Sie sollten nun Ihren endgültigen Platz im Turm haben. Leider stellte sich heraus, dass der hölzerne Stuhl zu viel Raum beanspruchte, so dass man einen neuen eisernen Glockenstuhl errichten musste. Er wurde an den Schmiedemeister Wilhelm Ahrens hierselbst vergeben. Zum Turm gehört eine Uhr. Unsere „Lichtgenossenschaft“, der das Ortsnetz untersteht, bietet sich durch ihren Vorsitzenden, den Drechslermeister Heinrich Lammers, großherzig zur Stiftung dieser Uhr an. Bei automatisch – elektrischem Aufzug, mit Glockenstuhl und Motor, vier Viertel- und Vollstundenschlag, mit automatisch-elektrischer Betglockenwerk und vier Zifferblättern aus Kupfer betrug der Preis 3.200 Mark.

Das Inventar der Kirche fand durch großherzige Stiftungen seitens einiger Gemeindemitglieder eine überaus große Bereicherung. Hervorgehoben seien: ein weiß seidenes Brokat-Meßgewand, ein sehr großer Haarteppich für den Hochaltar, eine künstlerische Herz-Jesu-Statue, eine herrliche Immakulata-Statue von Hellerbernd (Lathen), Geschenk der Jünglings- und Jungfrauenkongregation, und vor allem die letztwillig vermachte große Stiftung der Eheleute Schwake, zwei Seitenaltäre: die Heilige Familie von Bildhauer Holtmann (Osnabrück) und die Rosenkranzkönigin von Bildhauer Nolde (Osnabrück), zwei Beichtstühle, angefertigt von Tischlermeister B. Konnemann, hierselbst, mit je drei Figuren von Bildhauer Nolde, zwei Sakristeischränke und Garnituren für die Altäre. Die Verglasung der Kirche bildete gewöhnliches Fensterglas. Auch da fanden sich edle Stifter für bunte figürliche Fenster, die einen herrlichen Schmuck der Kirche bilden. Die in Barockkunst rühmlichst bekannte Glasmalerei Franz Mayer in München erhielt den Auftrag für die beiden Fenster rechts und links vom Hochaltar: das Opfer des Melchisedeck und das letzte Abendmahl; weiter für zwei Medaillonbilder für die Seitenwand des Chores: Lamm Gottes und Pelikan. Es folgen im Kirchenschiff zwei Fenster, darstellend die beiden neuesten Heiligen: Theresia vom Kinde Jesu und der Kapuzinerbruder Konrad von Parzham. Dann kommen zwei große Fenster: Christi Himmelfahrt und Jesus, die Zuflucht aller Bedrängten: „Kommet alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid.“ Die noch fehlenden sechs Fenster waren auch gestiftet, sie kamen aber wegen der in Aussicht stehenden Umsiedlung nicht mehr zur Ausführung. Die fertigen Skizzen zeigten mit Rücksicht auf die hiesigen kirchlichen Vereine je einen entsprechenden Heiligen.

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Monstranz aus der alten Antoniuskirche, später in der neuen Kirche. Sie wurde gestiftet vom Herzog von Arenberg.

Die Kirche stand schon zehn Jahre in Gebrauch, und die Wände hatten nur Kalkanstrich. Die Ausmalung war notwendig. Unser Landrat Gronewald billigte den Plan der Ausmalung und erwirkte von der Regierung die Erlaubnis zu einer Hauskollekte bei den Gemeindemitgliedern. Wiederum bewährte sich der Opfersinn: in den drei Monaten April, Mai, Juni war der außerordentlich hohe Betrag von 5800 Mark eingezahlt. Die Ausmalung wurde dem aus Sögel stammenden Kirchenmaler Heinrich Hinrichs aus Leipzig nach dem vorgelegten Kostenanschlage für die Gesamtsumme von 5750 Mark übertragen. Dieser bewies große Erfahrung und starkes Einfühlen in die so verschiedenartigen Lichtwirkungen, so dass er ein Werk vollbrachte, das den Meister ehrt.

Aus Vorstehendem ergibt sich, dass man auf die Gemeinde Wahn das Bibelwort anwenden kann: „Der Eifer für Gott verzehrt mich.“ Die für die Ehre Gottes dargebrachten großen Opfer zeigten auffällig ihren Lohn einerseits durch immer besseres Hineinleben in die erhabene Schönheit unseres heiligen Glaubens und andererseits durch das wirtschaftliche Aufblühen, so dass Wahn als das beste Dorf des Hümmlings bezeichnet wurde. Der neuen Kirche aber gaben einige Leute den Namen „Dom des Hümmlings“.