Wahn use olde Heimat

Wahner Gebräuche

De Spökenkiekers
von Maria Brunnen

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Kirchen- und Mühlenbauer Temmen (Püngel) geb. in Werpeloh am 18.07.1829, Erbauer der Kirche in Werpeloh, Landwirt und Viehheilpraktiker. Der genannte galt als ungewöhnliche Erscheinung und war bekannt als „Spökenkieker“.

Onkel Anton Hempen hat viel im zweiten Gesicht vorausgesehen. Als er eines Abends von Lathen kommt, sieht er in Kupers Weide eine Molkerei stehen. Kurz darauf beschließt die Gemeinde, bei Eckholt an der Kluser Straße eine Molkerei zu bauen. Sand und Steine werden herbeigebracht. Die Mauerer beginnen mit den Ausschachtungsarbeiten. Anton Hempen schüttelt den Kopf. Er sagt immer und immer wieder, daß dort nie eine Molkerei stehen werde. Im Dorf glaubt man nicht an seinen „Spuk“. Die Arbeiten für die Molkerei bei Eckholt sind doch im vollen Gange. Das Gesicht des Hempen Anton ist vergessen, als ein Herr aus Hannover kommt, um das Wasser zu untersuchen. Er stellt fest, daß es an dieser Stelle für die Molkerei unbrauchbar ist. Die Wahner müssen einen neuen Bauplatz auswählen, und die Molkerei wird tatsächlich an der Stelle gebaut, an der Hempen Anton sie im zweiten Gesicht gesehen hat. Onkel Anton Hempen hat auch den großen Brand vom Mai 1900 vorausgesehen, bei dem fast das ganze Dorf ein Raub der Flammen wurde. Er wußte schon lange vorher, daß Lehrer Kramer bei „Gärbkäre“ eine Villa bauen würde. Ebenso hat der den Bau von „Plüsgerds und Kuhlmanns“ Haus vorausgesagt. Als Anton einmal zur Nachtstunde von Börger kommt und gerade das Dorf betreten will, sieht er plötzlich nur noch weite Felder vor sich. Häuser und Scheunen sind verschwunden. Er weiß nicht aus noch ein und findet sich erst wieder zurecht, als ihn das zweite Gesicht wieder verläßt. ..! Als Spökenkieker war auch Anton Dürken (ein Onkel des jetzigen Anton Dürken) bekannt. Dürken wohnten vor dem Brande in der Nachbarschaft von Lambert Masbaum. Als Anton eines Tages zum „Kämp“ geht, sieht er, wie das Tor sich auftut und ein Brautpaar, das aus dem „Sande“ kommt, in den Kämp geht – Dürken haben nach dem Brande in dem Kämp ein neues Haus gebaut. Der jetzige Besitzer Anton Dürken hat seine Braut aus dem „Sande“ geholt. „Kämpsinkäre Päiter“ hatte auch das zweite Gesicht. Er wußte schon Jahre voraus, wie Bergmanns neues Haus aussehen würde. Der Bauplan der Familie Bergmann stimmte aber nicht mit dem des zweiten Gesichtes des „Kämpsinkare Päiter“ überein. Trotzdem ist das Haus aber doch so gebaut worden, wie „Kämpsinkäre Päiter“ es vorausgesehen. Auch wie das Haus von Bernd Möhlenkamp gebaut wurde, wußte er im voraus. Ebenfalls den Scheunenbrand von Lembeck im Jahre 1928 hatte er im zweiten Gesicht gesehen. Einer der Genannten soll auch gesehen haben, daß auf dem kleinen Berg sogleich nordöstlich hinter Rupennest eine Mühle ohne Flügel stände. Ob dort demnächst etwas ähnliches vielleicht entstehen wird?