Wahn use olde Heimat

Kriegschronik 1914 – 1918

Der Volksmund

Kriegserklärung auf Kriegserklärung folgte. Mancher sah mit Sorgen in die Zukunft. Alte Prophezeiungen tauchten auf und fanden auch in unserer Gemeinde Gläubige und Ungläubige. am meisten verbreitet und somit besprochen war wohl die von Reitern in weißer Uniform, die zur Zeit der Roggenernte von Börger herkommend in unser Dorf einrücken sollten. Man hielt diese Reiter für Engländer, wegen der weißen Uniformen.

Auch allerlei Gerüchte über Zusammenstöße mit Engländern, Franzosen und Russen, die für uns nachteilig entschieden waren, machten sich breit. Ging man der Sache einmal auf den Grund, so erwies es sich als Weibergeschwätz. Leider riefen solche Gerüchte manche Beunruhigungen wach. Da kam plötzlich die Nachricht von der Erstürmung der Festung Lüttich. Das gab auch manchem der schon Geängstigten Mut. Weitere Siege folgten.

Bergung der Ernte

Mit frischem Mut ging es nun an die Bergung der reichen Ernte. Man wurde sich bewußt, daß auch die Daheimgebliebenen mithelfen mußten den Sieg zu erringen. Der schändliche Aushungerungsplan unserer Fein de mußte zunichte gemacht werden. Alle Hände rührten sich, um zu diesem Zwecke das Ihre zu tun. Durch günstiges Wetter begünstigt, wurden alle Feldarbeiten ordnungsmäßig erledigt. Ja, es wurden eiligst noch wild liegende Grundstücke umgebrochen, so besonders links vom Wege, der nach Sprakel führt. Der Staat zahlte Grundstückseigentümern Beihilfen zur Kultivierung dieser Flächen.

Die ersten Gefallenen

Die ersten Kämpfe hatten uns Verluste gebracht. als erster aus der Ge meinde fiel der Musketier Franz Rohling, Sohn des Neubauern Math. Rohling. Er starb infolge eines Bauchschusses im Lazarett bei Reims im September 1914. Für seine Seelenruhe fand in der hiesigen Pfarrkirche ein feierliches Requiem mit Libere statt. Abweichend von sonstigen Trauerfeiern wurde die Tumba mit Blattpflanzen umgeben, und der zeitige Pfarrer Barenkamp hielt eine Ansprache an die Angehörigen und die Gemeinde. Der Kirchenchor sang unentgeltlich das Requiem und Libera. Bei spätem Totenfeiern für Gefallene wurde dieser Brauch beibehalten.

Liebesgaben

kriegschronik-2Auf Anregung des Herrn Pfarrers Barenkamp und unter Mithilfe des Lehrer Ohmes veranstaltete der Vorstand des Müttervereins und der Marianischen Jungfrauen-Sodalität eine Geldsammlung, um Liebesgaben für die Lazarette herzustellen. In der alten Schule wurde ein Kochherd aufgestellt. Hier versammelten sich die Frauen und junge Mädchen, um die freiwillig in großer Menge herbeigebrachten Früchte aus Garten und Feld einzukochen. Die Kinder sammelten Brombeeren. So konnten Ende Oktober 1914 dem Reservelazarett der Malteser-Ritter zu Hubertusburg bei Münster 2 Fass eingemachte Bohnen, 80 Flaschen sterilisierten Brombeersaft und 11 Kisten mit Gläsern und Töpfen verschiedenen Inhaltes, wie Kürbis, Gurken, Birnen, Pflaumen, Bohnen, Apfelmus u. v .m. überreicht werden. Dem für den Kreis Hümmling errichteten Zweigverein vom Roten Kreuz traten sämtliche Haushaltungen der Gemeinde bei. Die Gemeinde bewältigte auf Anregung des Herrn Landrates 930,- DM für die Zwecke des Roten Kreuzes.

In den Monaten November und Dezember 1915 wurde von den Frau- en und Jungfrauen der Gemeinde eifrig für die Krieger der Gemeinde gestrickt. So konnte jedem derselben zu Weihnachten ein Paket voll Wollsachen, wie Strümpfe und Kniewärmer, Leibbinden und Hemden übersandt werden. Auch Lebensmittel lagen diesen Paketen bei. Auch im 2. Jahre des Krieges blieben unsere einheimischen Feldgrauen nicht ohne Paket aus der Heimat. Im Frühjahr und Sommer sandte ihnen die Sodalität Liebesgabenpakete mit Lebensmittel und auf Wunsch auch als kleine Beigabe eine Dose mit Insektenpulver. Der Kirchenchor sandte seinen im Felde stehenden Mitgliedern ein Päckchen mit Zigarren. Im September und Oktober wurde wiederum für das Malteser Lazarett Hubertusburg eingekocht. Diesmal in der leer- stehenden Dienstwohnung des 2. Lehrers. Es konnten 1 Fass Bohnen und 4 große sowie 6 kleine Kisten mit Eingemachtem aller Art abgesandt werden auch 1 Sack getrockneter Äpfel. Für das Lazarett in Sögel wurde durch eine Krankenschwester eine Sammlung von Lebensmitteln in hiesiger Gemeinde abgehalten. Zwei hoch beladene Ackerwagen brachten das Gesammelte an seinen Bestimmungsort.