Wahn use olde Heimat

Kriegschronik 1914 – 1918

Ostpreußische Flüchtlinge

Anfang Februar trafen in unserem Kreis ostpreußische Flüchtlinge ein. Sie kamen aus dem Kreis Johannesburg. In unserer Gemeinde fanden 20 Personen Unterkunft. Gegen Ende März siedelten sie wieder in ihre befreite Heimat über.

Jagd auf Spione und entwichene Gefangene

Gleich zu Anfang des Krieges setzte eine Jagd nach Spionen ein. Es sollten Spione versucht haben an Brücken und Bahnen Sprengladungen anzulegen. Deshalb wurden Brücken und Bahnen stark bewacht. Auch Mitglieder unserer Gemeinde mußten öfters, bewaffnet mit Jagdgewehren, auf Posten ziehen, um amtlich gemeldete Spione, die anfangs in Automobilen das Land durchkreuzten, abzufangen. Die bei den Chausseen wurden bei der Molkerei und hinter dem Pastorat gesperrt durch Draht und quer über die Straße gestellter Wagen. Auch feindliche Flieger wurden gemeldet. Sofort rückten die Jäger der Gemeinde aus, doch es kamen keine. Später meldete man entwichene Gefangene. Immer wieder wurden Posten aufgestellt und Chausseen und Schienenweg der Bahn besetzt. Da aber nie etwas Verdächtiges erwischt wurde, so verloren die Leute bald die Lust am Postenstehen. Erst im November 1915 wurden durch Zufall zwei Kriegsgefangene ergriffen. Der Bahnagent Wilh. Oldiges und der Haussohn Bern. Rolfes kehrten spät abends von der Jagd (Anstand) heim. Sie gewahrten in der Nähe der Bahn zwei Männer in langen Röcken. Auf Anruf lief der eine in ein Stück Kohl, der zweite warf sich, da Rolfes Schreckschüsse abgab, auf die Erde. Beide wurden nun festgenommen und der Gendarmerie übergeben, die sie abends nach Sögel ins Gefängnis ablieferte.

Arbeitermangel (Kriegsgefangene)

Infolge der zahlreichen weiteren Einberufungen wurde die Zahl der arbeitsfähigen Männer in der Gemeinde immer geringer. Es nahte die Zeit der Ernte 1915. Rechtzeitig trafen auf Vermittlung des Herrn Landrats 36 gefangene Franzosen und Belgier in Begleitung dreier Wachmannschaften als Erntearbeiter hier ein. Die alte Schule wurde als Gefangenenlager eingerichtet. Die Fenster versah man mit dicken Eisenstangen. Rund um die Schule wurde ein Drahtzaun errichtet. Die Gefangenen wurden nun auf die Landwirte verteilt, welche Hilfe wünschten. Die Kost bekamen sie im Hause des Arbeitgebers. Im allgemeinen ist man mit der Arbeit der Gefangenen zufrieden. Ja einige sind darunter, die gelernte Landwirte sind und selbständig die vorkommenden Arbeiten verrichten können. Im Herbst 1915 wurden 16 Gefangene ins Gefangenenlager „Großes Moor“ zurückgesandt. Die anderen 20 blieben auch im Winter hier. Unter den gefangenen Belgier befindet sich ein deutschsprechender Barbier aus Brüssel, der jetzt jeden Sonnabend seinen Beruf ausübt. Eine böse Folge des Arbeitermangels ist das Steigen der Arbeitslöhne. Dieselben sind hier um 50% gestiegen. Ja, verschiedentlich ist versucht worden, ale Notlage ist in nicht zu entschuldigende Weise auszunutzen. Forderte doch allen Ernstes ein Vater für seinen Sohn als Knecht einen Jahreslohn von 1000,- M. Vor dem Kriege zahlte man hier höchstens 400-500,- M. Als Tageslohn wurde verschiedentlich 6,- M gefordert. So sah sich Schreiber dieser Zeilen veranlaßt, seinen Garten selbst zu graben. Es ging – Kriegsarbeit.

Verteuerung der Lebenshaltung

In den ersten Kriegstagen begann ein wahrer Sturm auf die Kolonialgeschäfte. Vor allem hegte die Bevölkerung Angst, es könnte am nötigen Salz fehlen. Schon am Abend des 4. August 1914 war bei den Händlern kein Salz mehr zu erhalten. Auch nach Petroleum und Weizenmehl war eine rege Nachfrage. Einige Haushaltungen hatten es verstanden, sich Petroleum und Weizenmehl in großer Menge zu beschaffen. Die Preise zogen bald an. Der Petroleum stieg nach und nach das Liter bis auf 40 und später bis auf 70 Pfennige. September 1915 gab es Höchst- preise, das Liter 34 Pfennig. Der dz. Weizenmehl wurde zu Anfang des Krieges mit 42,- M bezahlt, im Sommer 1915 kostete beschlagnahme- freies Mehl der kz. 140,- M. Die Befürchtungen wegen des Salzes gin- gen, da Salz ein einheimisches Produkt war, nicht in Erfüllung. Statt des Petroleums brannte man bald Carbid und Spiritus. Besonders verteuer- ten sich Tuche, Leinen und Wolle.

Die Preise für Kartoffeln erreichten gleichfalls eine ungeahnte Höhe. Kosteten dieselben bei Ausbruch des Krieges 2,00 -2,50 M, so schnellten sie im Frühjahr 1916 bis 5,00 bis 5,50 Mark empor. Die Festlegung der Höchstpreise hatte hier wenig Einfluß. 1916 im Monat Mai waren im Ort mehrere ländliche Haushaltungen, die keine Kartoffeln mehr hatten und durch die Gemeinde versorgt werden mußten. Die Frühkartoffeln 1916 waren wenig ertragreich und wegen des kalten Wetters sehr zurückgeblieben.

Die unten abgebildeten Tabelle zeigt sich die Preissteigerung für manche notwendigen Lebensmittel.

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Kriegshilfe, Sammlungen

Verschiedentlich wurden von auswärtigen Personen Geldsammlungen für die Zwecke des Roten Kreuzes, für erblindete Krieger, für die Kriegsverletzten der Marine und ähnliche Zwecke abgehalten. Das Ergebnis soll stets ein gutes gewesen sein.