Wahn use olde Heimat

Kriegschronik 1914 – 1918

Kriegsanleihen

Bei Auflegung der I. Kriegsanleihe wurde in hiesiger Gemeinde nichts gezeichnet. Die 2. Kriegsanleihe brachte 10.000,- Mark. Bei der 3. Kriegsanleihe wurden 49.400,- Mark gezeichnet, und die Gesamtsumme der 4. Kriegsanleihe betrug 7.400,- Mark. Der Goldumtausch erbrachte bei der Sparkasse 2.300,- Mark gegen Papiergeld. Die 5. Kriegsanleihe erbrachte 61.000,- Mark.

Revision der Kartoffelvorräte

Ende Dezember 1916 fand eine Revision der Kartoffelvorräte durch die Militärbehörde statt. Größere heimliche Vorräte wurden nicht festgestellt. Die Gemeinde mußte It. Ausfall dieser Revision noch 70 Zentner Kartoffeln liefern.

Hartgeprüfte Familien

Ende Dezember starben zwei Kriegerfrauen. Zunächst die Frau des Gefreiten und Zimmermanns Michels. Sieben unmündige Kinder, das jüngste 9 Monate und das älteste 12 Jahre trauerten an der Bahre. Ihr folgte nach einigen Tagen die Frau des Gemeindevorstehers, Hempen. Hier hinterblieben vier unmündige Kinder. Beide Krieger weilten beim Tode ihrer Frauen hier auf Urlaub.

Weitere Liebesgaben

Zu Weihnachten sandte die Sodalität den im Felde stehenden Kriegern wiederum Pakete mit Lebensmitteln. Auch für das Lazarett Hubertusburg wurden wieder reichlich Gaben gesammelt.

Schießversuche bei Krupp

Das Gebiet der Gemeinde Wahn gehört zum Schießplatz Meppen der Firma F. Krupp, Essen. In Friedenszeiten wurde nur das Tiefmoor zu Schießversuchen in Anspruch genommen. Äußerst selten wurde bis an die Landstraße Wahn-Lathen und Wahn-Kluse geschossen. Da während des Krieges die Entfernungen für Artilleriefeuer sich immer mehr vergrößerten, so fanden allmählich fast wöchentlich Versuche statt, bei denen die Geschossaufschläge fast durchweg im Wahner Gebiete und darüber hinaus, bis nach Werpeloh, Neubörger Börgerwald und Börgermoor lagen. Die ersten Versuche mit weittragenden Geschützen fanden etwa 3 Wochen vor der Beschießung Dünkirchens statt. Der erste Schuß fiel morgens gegen 9 Uhr. Er soll bis ins Ostfriesische, gut 47 km weit gegangen sein. Nachdem die EinschlagsteIle festgestellt war, fiel nachmittags gegen 1/2 5 Uhr der zweite Schuss.

Derartige Versuche fanden in der Folge häufig statt. Am meisten in Mitleidenschaft gezogen wurde die Gemeinde bei Versuchen von ungefähr 19 km. Die Einschläge liegen dann auf dem Röbekamp und Berkof. Die Heidefläche der Kirchengemeinde zeigt heute noch Trichter an Trichter. Gelegentlich dieser Versuche flogen Sprengstücke und ganze Geschosse ins Dorf. Eines dieser Stücke warf den Schornstein der Jos. Henschen Besitzung ab. Geschosse schlugen bei Bergmanns Haus, bei der Molkerei, bei Ww. Ahrens Haus ein. Während man letzteren Einschlag noch in Augenschein nahm, er lag 1 m hinter dem Hausgiebel, ging ein Schrappnellschuss in die Pastorat. Es war am 16. Oktober 1916. Nachdem Dach und Zimmerdecke durchschlagen war, krepierte das Geschoß im Aktenschrank des Pfarrers und drang dann in den Fußboden ein. Sprengstücke fanden sich im ganzen Zimmer. Fensterscheiben und sonstiges Glas war durch den Luftdruck zersplittert worden. Akten lagen im Zimmer umher. Trotz alledem war der mitten im Zimmer am Tische sitzende Pfarrer Barenkamp mit zwei geringen Hautabschürfungen davon gekommen. Leider war durch die Explosion des Geschosses der Balken über der Tür hinausgeschleudert worden. Er war durch den Hausflur und die Küchentür in die Küche geflogen und wurden die Magd und ein Hamburger Ferienkind durch Splitter verletzt. Der Magd waren 3 Rippen gebrochen, das Kind kam mit geringen Verletzungen davon. Die Firma Krupp sandte von Meppen sofort einen Arzt und hat die Schäden auf ihre Kosten beseitigen lassen.

Infolge dieser Vorkommnisse wurde die Schußlinie etwas verändert. Doch bleibt der Ort Wahn, wie ein höherer Beamter der Schießplatzverwaltung sich ausdrückte, für den Schießplatz „ein Dorn im Auge“. Da die Versuche mit Geschossen aus neuen Metallmischungen eine weitere Gefährdung des Ortes Wahn ergeben haben, so hat die Firma sich entschlossen, die Gemeinde wegzukaufen. Es kamen weiter für den Wegkauf in Betracht die Gemeinden Sprakel, Rupennest, Teile von Stavern, Wippingen, Neubörger und Börgerwald. Laut Mitteilung des Herrn Landrates soll die Firma Krupp den Enteignungsantrag bereits gestellt haben. Die Bewohner unseres Ortes sind von dieser Nachricht nicht erbaut. Hatten die Schießversuche manche schwere Belästigung in Bezug auf die landwirtschaftlichen Arbeiten und den Weidegang des Viehs im Gefolge, so daß manchmal redlich auf die Firma Krupp geschimpft wurde, so will heute trotz alledem jeder lieber bleiben, als seine Heimat, mit der er so eng verwachsen ist, verlassen. Alte Bauern weinten bei Bekanntwerden dieser Nachricht: „Wohin denn“ ist die Frage aller. Die Zukunft wird es lehren.