Wahn use olde Heimat

Kriegschronik 1914 – 1918

Enteignungssache Krupp

Am 28. Januar 1918 fand eine Gemeindeversammlung statt, in der Landrat Freiherr von Fürstenberg der Gemeinde den schon früher erwähnten Enteignungsplan zwecks Erweiterung des Kruppschen Schießplatzes bekannt gab. Im Auftrage des Herrn Regierungspräsidenten soll mit der Gemeinde über die durch die evtl. Enteignung in Frage kommenden öffentlich-rechtlichen Interessen der Gemeinde verhandelt werden. Zwecks weiterer Verhandlungen mit den Behörden wurde eine Kommission gewählt. Diese besteht aus folgenden Mitgliedern: 1. Dechant Barenkamp, 2. Lehrer Ohmes, 3. Kaufmann Schwake, 4. Hofbesitzer Temmen, 5. Hofbesitzer Thomes, 6. Hofbesitzer Gehrs, 7. Hofbesitzer Joh. Hempen, Gemeindevorsteher. Diese Kommission hat Schritte zur Hintertreibung der Enteignung unternommen. Bisher hat sie nichts erreichen können. So lange aber das Enteigungsrecht nicht verliehen ist, besteht Hoffnung, daß alles beim Alten bleibt.

Gefährlicher Schießversuch

Im Dezember 1917schlug ein 24 cm Geschoss in Temmen´s Eichen hinter der Schule ein. Es lag nur 53 m von der Giebelwand der Schule. Das geschah zum Glück in der Mittagspause. Es waren somit keine Kinder in der Schule und auf dem Schulplatze. Es handelte sich bei diesem Versuche um ein aus dem Felde zurückgebrachtes Geschütz, welches beinahe 2000 Schuß abgegeben hatte. Es sollte festgestellt werden, ob mit diesem Geschütz noch mit Treffsicherheit geschossen werden könne. Die bei den ersten Schüsse lagen auf 24.000 m und der dritte, unter gleichem Winkel abgefeuerte, schlug 5000 m kürzer, also in Temmen´s Eiche ein.

Die Molkerei während des Krieges

Die Dampfmolkerei Wahn, Genossenschaft m. u. H. arbeitete bis jetzt ohne Unterbrechung. Im Jahresdurchschnitt werden täglich 2.400- 2.500 Ltr. Milch verarbeitet. Der für Milch ausgezahlte Preis ist z. Zt. von 6 Pf. in Friedenszeiten auf 17. Pf. per Ltr. gestiegen. Vom Frühjahr 1915 bis Sommer 1916 war der Molkereiverwalter Radke eingezogen. Während dieser Zeit hielt seine Frau mit Hilfe eines Arbeitsmannes den Betrieb aufrecht. 1917 mußte ein neuer Dampfkessel eingebaut werden, da der alte unbrauchbar geworden war.

Militärische Vorbereitungen der Jugend

Wie anderwärts, so wird auch hier an der militärischen Vorbereitung der Jugend gearbeitet. Im Sommer 1917 machte sich ein starker Rückgang der Beteiligung bemerkbar. Die Ursache liegt wohl in der starken Arbeitsleistung, der sich die Jugendlichen jetzt unterziehen müssen.

Spar- und Darlehnskasse

Seit 1917 übernahm die Sparkasse die Auszahlung der Gelder für ab- geliefertes Vieh und seit November 1917 auch für abgeliefertes Getreide. Es wurden im Laufe des Jahres ausgezahlt: 1. Viehgeld: 94804,97 Mark, 2. Getreidegeld: 8605,76 Mark. Zur achten Kriegsanleihe wurden bei der Spar- und Darlehnskasse von 34 Zeichnern 38.800,- Mark gezeichnet.

Aberntung der Heide

kriegschronik-5Um den Mangel an Futterstoffen abzuhelfen, ist man dazu übergegangen, Heide abzuernten, um daraus Heidemehl und Heidehäcksel herzustellen. Durch Vermittlung des Schreibers dieser Zeilen sind in hiesiger Gemeinde und in Werpeloh etwa 900 Morgen Heide zur Aberntung angeworben. Die Aberntung geschieht durch ein Gefangenen-Kommando in Stärke von etwa 50 Mann. Engländer, Franzosen, Russen, Belgier und Italiener müssen im Schweiße ihres Angesichts die bis 80 cm hohe Heide mit eigens dazu hergestellten Sensen abmähen. Hiesige Gespanne fahren die Heide zur nahen Chaussee. Mittel eines Lastwagens wird dieselbe zur Bahnstation Lathen gebracht. Zum größten Teil geht dieselbe zur Nienburger Futtermittelfabrik zur Herstellung von Heidemehl, aber Teils geht sie auch an größere Güter zur Gewinnung von Häcksel, der mit Stroh vermischt an die Front geht für unsere Militärpferde. Die Leitung der Aberntung liegt in den Händen des Feldwebels Schröder aus Hamburg. Zur Bewachung der Gefangenen sind 6 Wachmannschaften anwesend. Gefangene und Wachposten sind in der Wirtschaft Rümpker untergebracht.